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Die Schule den Kindern anpassen, nicht die Kinder der Schule

Normalität und das gesellschaftlich Normative sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind kulturelle Konzepte. So ist das auch mit der Schule. Auch die ist ein Konzept, das einmal erfunden wurde. Heute ist sie eines der wenigen, das uns noch geblieben ist aus den letzten hundertfünfzig Jahren. Normativ hoch aufgeladen und sakrosankt wie einst die grossen christlichen Kirchen, die ihre Funktion als moralische Flüstertüte des Kapitalismus inzwischen verloren haben. Doch nun ist endlich auch das System Schule am Ende. Ähnlich wie andere kulturelle Trägersysteme, die erfunden wurden, um über Jahrhunderte hinweg gesellschaftliche Stabilität zu garantieren. Wir stehen an einem Punkt der Geschichte, wo das System Schule seine stabilisierende Funktion verloren hat und dysfunktional geworden ist. Zwar gehen wir immer noch davon aus, dass all die Probleme, die die Schule hat und hervorbringt, in den Griff zu bekommen sind. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir das hinkriegen mit genügen…
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Wenn das Lernen zur Qual wird

«Wenn das Lernen zur Qual wird» titelt das Liechtensteiner Wochenblatt «Liewo» vom 18. August 2019 anlässlich des heutigen Schuljahresbeginns: Lernen in der Schule sei manchmal mühsam und es fehle oft die nötige Motivation. Bei vielen Kindern weiche die anfängliche Begeisterung bald einmal einem Schulfrust, vor allem bei Kindern mit Lernproblemen, die nun auf einmal vor allem mit ihren Defiziten konfrontiert seien, etwas, was man nicht einmal Erwachsenen in diesem Ausmass zumute.

Tragisch. Man lässt die Kinder fünf Jahre lang frei und selbstbestimmt lernen. Und sie tun es voller Lust und Tatendrang und mit erstaunlichem Erfolg, nur wenn man schon an den Erwerb der Muttersprache denkt. Dabei sind die Kinder nie mit ihren Defiziten konfrontiert, sondern erleben auf ausschliesslich positive Weise ihre täglichen Lernfortschritte. Lernfrust, Enttäuschungen, Überforderung, Langeweile - all dies ist dem vorschulischen Lernen fremd. Eigentlich müsste die Schule bloss die Gesetzmässigkeiten un…

Zu viele Kinder ohne Deutschkenntnisse

Mehr Kinder denn je starten in der Schweiz den Kindergarten oder die Schule, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Vor 20 Jahren kam noch jedes fünfte Schulkind aus einer nicht deutschsprachigen Familie, heute betrifft das jedes dritte Kind. Solche sprachlichen Defizite werden spätestens beim Schuleintritt zum Problem.
(Fernsehen SRF1, Tagesschau, 18. August 2019)

Um diesem Missstand zu begegnen, werden nun in mehreren Kantonen neuerdings Deutschkurse schon für 3- bis 4Jährige angeboten. Ob dies den gewünschten Erfolg hat, muss allerdings in Frage gestellt werden. Denn Kinder in diesem Alter lernen eine Sprache nicht in der Weise, dass man sie ihnen «vermittelt» bzw. «beibringt». Am wirkungsvollsten lernen sie eine Sprache durch Imitation und indem sie sie spielerisch und kommunikativ verwenden -  genau so haben sie auch ihre Muttersprache erlernt. Was es also braucht, sind gemischte Lerngruppen von deutschsprachigen und nicht deutschsprachigen Kindern, die frei miteinander kommunizieren…

Die Lehrerin nur noch ein Lerncoach?

Es wäre keine Reform, sondern eine Revolution, eine Abkehr von der Art und Weise, wie Schweizer Schülerinnen und Schüler bis heute unterrichtet werden. Die Idee heisst intrinsisches Lernen und meint das Lernen aus eigenem Antrieb. Kinder sollen zu einem grossen Teil selbst entscheiden, was und wann sie lernen wollen. Die Vorstellung, dass alle Kinder zur gleichen Zeit am gleichen Ort das Gleiche lernen, sei veraltet, sagen Christian Müller und Daniel Straub. Sie haben eine alternative Pädagogische Hochschule (PH) gegründet, die Lehrkräfte für eine solche neue Schule ausbildet. Die Schule der Zukunft müsse sich an der Leidenschaft, dem Lernwillen und den Eigenschaften jedes einzelnen Schülers orientieren, sagen die Initianten. In dieser Schule der Zukunft legt jedes Kind zu Beginn der Woche selber fest, was es lernen möchte. Vielleicht will es ein Computerspiel selber programmieren, vielleicht mithilfe eines Youtube-Videos Französisch üben. Die Lehrerin sitzt zwar noch im Klassenzimmer…

Horizontales statt vertikales Bildungssystem

Die Ökonomen Matthias Doepke und Fabrizio Zilibotti untersuchen in ihrem Buch «Love, Money und Parenting», wie sich ökonomische Umstände auf den Erziehungsstil auswirken. Sie stellen fest, dass Eltern umso besorgter sind um die Ausbildung der Kinder, je ungleicher die Einkommensverteilung innerhalb einer Gesellschaft ist. Weil es mehr zu gewinnen respektive zu verlieren gibt, greifen sie aktiver in das Leben der Kinder ein und fördern diese mit allen möglichen Mitteln. In den USA verdienen Hochschulabsolventen doppelt so viel wie andere Schulabgänger, gleichzeitig ist das Auswahlverfahren an Universitäten rigoros. Deshalb lohnt es sich für Eltern besonders, Zeit und Geld in die Förderung der Kinder zu investieren. Wer es sich leisten kann, schickt die Kinder auf eine Privatschule, wo ein Schuljahr gut und gerne bis zu 50'000 Dollar kostet.
(TAM 32/2019)

Es geht diesen Eltern also nicht darum, dass ihr Sprössling möglichst jenen Beruf erlernt, für den er am meisten talentiert ist. …

Eine längst fällige Revolution im Bildungswesen

«Vor einem Jahr habe ich die Vorzüge des Bildungssystems im Kleinen erlebt, als ich die Festrede an der Chemie-Diplomfeier der Zürcher Fachhochschule hielt. Erfreulich viele Frauen und Nachkommen von Migranten schlossen den Studiengang ab. Angefangen hatten sie als Lehrlinge in einem Chemielabor, und nun standen die Besten unter ihnen vor dem Wechsel an die ETH. Angesichts solcher Bildungswege verwundert es, dass so viele Akademikereltern ihre Kinder, die nicht die erhoffte Frühreife zeigen, ins und durchs Gymnasium quälen. Väter und Mütter mit chronischer Gymnasialitis gibt es schon lange. In Grossstädten ist das Gebrechen aber zur Volkskrankheit geworden. Wie selbstverständlich werden heute Tausende Franken für private Vorbereitungskurse auf die Gymiprüfung ausgegeben, Kinderärzte zwecks Nachteilsausgleich konsultiert und die Kleinen einem häuslichen Drill unterzogen, als ginge es ums soziale Überleben. Droht dennoch der «Absturz» in die Sekundarschule, greifen manche zu den letzten…

Eine App ab der Geburt

Die von Vivienne Ming, Psychologin, Hirnforscherin und Unternehmerin aus Kalifornien entwickelte App Muse ist eine virtuelle Supernanny. Die kostenlose Anwendung ist für Eltern von Kindern zwischen null und zwölf Jahren gedacht. Muse fordert zuerst persönliche Informationen ein: Arbeitest du ausser Haus? Liest du mit deinem Kind? War dein Kind in letzter Zeit wütend, und du wusstest genau, wie du dich verhalten musst? Muse protokolliert alles und schlägt auf Basis dessen Übungen und Spiele vor. Im Hintergrund ordnet die App die Informationen über das Kind 50 Fähigkeiten und Faktoren zu und berechnet, ob diese gut ausgeprägt sind oder gestärkt werden sollten. «Muse soll die Antwort auf die Frage sein: Was kann ich jetzt tun, um die Entwicklung meines Kindes zu unterstützen?», sagt Ming.
(Tages-Anzeiger,13. August 2019)

Bevor das Kind noch geboren wurde, weiss die App also bereits, welche 50 Fähigkeiten und Faktoren für die Entwicklung des Kindes wesentlich sind, auf diese wird gezielt …