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Pisa-Studie: Sinnloser Leistungswettlauf

Die Schweizer Schülerinnen und Schüler schneiden in der Pias-Studie der OECD schlechter ab als in den vergangenen Jahren. In den getesteten Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften war überall ein Leistungsrückgang zu verzeichnen. Die Rangfolge bei der Pisa-Studie leitet sich diesmal vom Abschneiden im Lesetest ab. Hier liegen vier chinesische Provinzen mit einem Mittelwert von 555 Punkten an der Spitze, gefolgt von Singapur, Macau, Hongkong und Estland. Die Schweiz liegt auf Platz 28.
(www.srf.ch)

Bei dem unglaublichen Drill in Chinas Schulen und dem Fortschreiten der Digitalisierung - an einzelnen Schulen wird schon mit Kameras zur Gesichtserkennung registriert, wie aufmerksam die Schülerinnen und Schüler dem Unterricht folgen - ist das gute Abschneiden Chinas bei der Pisa-Studie nicht weiter verwunderlich. Ebenfalls ist nicht erstaunlich, dass Singapur ganz vorne rangiert, hier sitzen die Schülerinnen und Schüler nach dem regulären Schulbesuch nicht selten bis gegen Mitte…
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«Lerne Maurer, werde Karatelehrer» - eine fragwürdige Werbekampagne

«Lerne Maurer, werde Karatelehrer.» - «Lerne Elektroinstallateur, werde Eventmanager.» - «Lerne Informatiker, werde Zoologe.» - «Lerne Coiffeur, werde Biologe.» - «Lerne Floristin, werde Fashiondesignerin.» Diese und ähnliche Slogans sind in Werbespots zu sehen, mit denen das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation darauf aufmerksam machen will, dass die erste Ausbildung mit einer Lehre nicht das Ende der beruflichen Laufbahn darstellt. Mit der höheren Berufsbildung, den Fachhochschulen oder der Berufsmatur mit Zugang zur Universität ist die Berufsbildung durchlässig.
(Tages-Anzeiger, 3. Dezember 2019)

Handwerkliche Berufe bloss als Sprungbrett für so genannt «höhere», akademische Berufe? Diese Kampagne des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation suggeriert, dass es so etwas wie «minderwertige» und «höherwertige» Berufe gibt. Und dass das Erlernen eines «minderwertigen» Berufs bloss ein lästiger Umweg sei, um schlussendlich einen «höherwertigen» Beruf…

Französischunterricht grundsätzlich überdenken

Baselland hat das Französischlehrmittel «Milles feuilles» aus dem Klassenzimmer verbannt. Jetzt will der Kanton Bern nachziehen. Nicht nur Lehrerinnen und Lehrer üben scharfe Kritik an «Milles feuilles», auch eine Studie der Universität Freiburg kommt zum Schluss, dass selbst ein elementares Niveau bei der Sprachkompetenz nicht zu erreichen sei. Insbesondere wird «Milles feuilles» vorgeworfen, es könne die von ihm gemachten Erwartungen gar nicht erfüllen. «Milles feuilles» will die Lernenden nämlich in ein «Sprachbad» tauchen und so lernen lassen, wie man im Leben lernt, spielerisch und ohne stures «Wörtli-Pauken» und ohne Grammatik. Alain Pichard, Wortführer der kritischen Lehrerinnen und Lehrer, meint: «Ein Sprachbad mit drei Lektionen pro Woche, das bringt gar nichts, das ist kein Sprachbad.»
(www.srf.ch)

Nun, die Idee des «Sprachbads» ist ja grundsätzlich nicht falsch. Genau so lernen auch kleine Kinder ihre Muttersprache und genau so lernen auch Studierende, welche eines oder me…

Was heisst schon «gebildet»?

Vermehrt üben gebildete Eltern Druck auf die Lehrkräfte und die Schule aus. Ihre Anspruchshaltung, so Bruno Fluri von der Kreisschulpflege Limmattal, sei in den letzten Jahren massiv gestiegen, alle wollten, dass ihre Kinder aufs Gymnasium kämen.
(Tages-Anzeiger, 21. November 2019)

«Gebildet» und «ungebildet» - Begriffe, auf die man im Zusammenhang mit Schule, Erziehung, Berufslaufbahn und Einkommensunterschieden immer wieder stösst. Doch ist der Begriff «gebildet» nicht eine ungeheure Anmassung gegenüber all jenen, die angeblich «nicht gebildet» sind? Ist ein Strassenarbeiter, der Trottoirränder millimetergenau zu pflästern versteht, nicht auf seine Weise auch gebildet? Und müsste man eine Hausfrau, die meisterhaft kochen kann, sich ein grosses soziales Umfeld aufgebaut hat und nebenher eine an Demenz erkrankte Nachbarin pflegt, nicht sogar als besonders gebildet bezeichnen? Wenn man von «gebildeten» Menschen spricht, dann meint man meistens bloss, wie lange jemand zur Schule gegang…

Mehr Bildung um länger zu leben - kein brauchbares Rezept

«Warum Bildung gesund macht» - so der Titel einer Reportage im Rahmen der Themenwoche Bildung auf dem deutschen Fernsehsender ARD. Anhand zahlreicher Beispiele wird der Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit aufgezeigt: Höher Gebildete leben bis zu zehn Jahre länger als weniger Gebildete.
(Themenwoche Bildung, ARD, 11. November 2019)

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Lebenswartung ist offensichtlich. Der Appell an Menschen jeglichen Alters, sich daher so lange und umfassend wie möglich, bis hin zur akademischen Stufe, weiterzubilden, verkennt indessen die Tatsache, dass eine Gesellschaft nicht nur Akademiker braucht, sondern auch Fabrikarbeiter, Krankenpflegerinnen, Köche und Strassenarbeiter. Das zutiefst Ungerechte daran ist, dass die «höher» Gebildeten in aller Regel Berufe ausüben können, die sie aufgrund ihrer Vorlieben und Interessen gewählt haben, dass sie zudem überdurchschnittlich viel verdienen, meist hohe gesellschaftliche Wertschätzung erfahren und erst noch ein…

Schule der Zukunft: Schöne neue Welt der Digitalisierung

Schule der Zukunft: Ein von der Technischen Universität Kaiserslautern entwickeltes digitales Schulbuch passt sich laufend mittels Künstlicher Intelligenz den Lernbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler an. Sensoren zeichnen die Augenbewegungen der Lernenden auf und blenden diese auf dem Bildschirm ein. Wandert das Auge immer wieder an die gleiche Stelle zurück, folgert die Künstliche Intelligenz daraus, dass die betreffende Information Schwierigkeiten bereitet - sogleich wird an der betreffenden Stelle eine zusätzliche Lernhilfe eingeblendet oder die Formulierung wird vereinfacht. Doch nicht nur die Augenbewegungen werden registriert, sondern, mittels einer Infrarotkamera, auch die Temperatur der Stirn und der Nase. Muss sich nämlich das Gehirn besonders anstrengen, wird die Stirn heiss und die Nase kalt. Je nach Befund werden weitere Lernhilfen und Filme eingeblendet. Zudem werden sämtliche Informationen, welche die Künstliche Intelligenz aufzeichnet, an die zuständige Lehrperson …

«Intrinsic Campus»: Lernen nach dem Lustprinzip

«Intrinsic Campus» - so nennt sich eine neu gegründete Ausbildungsstätte für angehende Lehrerinnen und Lehrer, die neue Wege beschreiten möchten. «Intrinsic Campus» geht von der Überzeugung aus, dass Kinder dann am besten lernen, wenn sie ihrer inneren Motivation folgen können und stets das lernen, wozu sie gerade am meisten Lust haben. Bereits finden erste Praktika an öffentlichen Schulen statt, wo Absolventen und Absolventinnen des «Intrinsic Campus» das Lernen nach dem Lustprinzip erproben. Doch nicht alle Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten sind von der neuen Methode begeistert. So etwa meint Urs Moser, Leiter des Instituts für Bildungsevaluation an der Universität Zürich: «Lernen nach dem Lustprinzip klingt zwar gut, funktioniert aber nur für wenige. Wenn man Kinder einfach frei das lernen lässt, was sie lernen wollen, dann ist das insofern problematisch, als Einzelne zwar genau wissen, was wichtig ist, während andere vollständig verloren sind und nie auf einen grünen Zweig …