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Der gnadenlose Wettkampf um Noten und Zukunftschancen oder Die grosse Lüge, die Schule sei zum Lernen da

  "Wenn ich eine gute Note habe, dann renne ich so schnell wie ich kann nach Hause. Wenn ich eine schlechte Note habe, dann suche ich jeden Umweg, um möglichst lange nicht nach Hause zu kommen" - so der zwölfjährige Imran im Film "Mein Leben und der Notenschnitt - vom Übertritt in die Oberstufe", ausgestrahlt am 6. Mai 2021 am Schweizer Fernsehen SRF1. Eindrücklich zeigt der Film die Ängste, die Enttäuschungen und die Hoffnungen von Schülerinnen und Schülern, die kurz vor dem Übertritt in die Oberstufe stehen und bei denen jede Prüfung und jede Zehntelsnote über ihren zukünftigen schulischen Weg und die damit verbundenen Berufschancen entscheiden. Ein ungeheurer Druck, dem die Kinder buchstäblich Tag und Nacht ausgesetzt sind, so mancher zerstörter Zukunftstraum, so manche Eltern, die von ihren Kindern enttäuscht sind, ihnen Vorwürfe machen und ihnen aus lauter Verzweiflung am Ende noch ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen verbieten in der Hoffnung, dass ihr Kind,
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Lernzentren statt Schulen: ein pädagogisches Modell für die Zukunft

  Als Alternative zur konventionellen Lehrplan-, Selektions- und Jahrgangsklassenschule schlage ich ein offenes Lernsystem vor, das Lernzentrum. Dieses kann man sich am besten als einen Marktplatz gegenseitigen, altersunabhängigen Lernens vorstellen. Doch schön der Reihe nach. Bevor die Kinder ins Lernzentrum eintreten, besuchen sie das Kinderhaus. Dieses ist vergleichbar mit heutigen Kindergärten, aber mit dem Unterschied, dass die Kinder bis zum achten, ev. neunten Lebensjahr dort verweilen. Im Kinderhaus wird frei und spielerisch gelernt, so wie in den ersten Lebensjahren, selbstbestimmt, selbsttätig, im eigenen Tempo, in der eigenen Reihenfolge, gemäss dem jedem Kind eingeschriebenen inneren Lernplan. Nebst vielem anderem erlernen die Kinder im Kinderhaus mathematische Grundkenntnisse und das Lesen und Schreiben. Mit acht oder neun Jahren wechseln die Kinder ins Lernzentrum. Dieses bietet eine Vielzahl an Kursen , Projekten und Aktivitäten an, aus denen die Kinder frei auswähle

Legasthenie - nicht eine Schwäche der Kinder, sondern eine Schwäche der Schule

  Das Gesundheitsmagazin Puls des Schweizer Fernsehens SRF1 vom 12. April 2021 berichtete unter anderem über das Phänomen der so genannten Legasthenie, einer weit verbreiteten Lese- und Rechtschreibeschwäche, unter der die betroffenen Kinder während ihrer Schulzeit, oft aber auch weit darüber hinaus lebenslang erheblich leiden. Typisch für die Legasthenie ist, dass Situationen, bei denen korrektes Lesen und Schreiben gefordert sind, Ängste und Blockierungen auslösen, welche dazu führen, dass sich die einmal aufgetretenen Schwächen stets aufs Neue wiederholen. Interessanterweise wurde auch in dieser Sendung nicht auf die eigentlichen Ursachen der Legasthenie eingegangen, man geht einfach davon aus, dass gewisse Kinder diese Schwäche haben und andere nicht. Dabei wären die Gründe für die sogenannte "Legasthenie" relativ einfach zu erklären. Führen wir uns das Kind während der ersten vier, fünf Lebensjahre vor Augen, der Lebensphase also, während welcher der Erwerb der Mutterspr

Man sagt, Kinder bräuchten Grenzen - und was ist mit den Erwachsenen?

  "Kinder brauchen eine gesunde Portion Nein, um Grenzen auszutesten", sagt Moritz Daum, Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich. Oder, wie ein weit verbreiteter traditioneller Erziehungsleitsatz lautet: Kinder brauchen Grenzen. Sei es, dass sie, wenn es Zeit fürs Schlafengehen ist, nicht mehr länger draussen spielen dürfen. Sei es, dass sie keinen Nachtisch bekommen, wenn sie das Gemüse nicht aufgegessen haben. Sei es, dass sie, so lange sie ihr Zimmer nicht aufgeräumt haben, keine Gutenachtgeschichte bekommen. Sinn und Nutzen solcher "Grenzen" werden häufig kaum hinterfragt, doch die meisten Eltern sind davon überzeugt, damit nur das Beste für ihre Kinder zu wollen, um auf diese Weise zu verhindern, dass aus ihnen dereinst rücksichtslose, unanständige und übertrieben egoistische Erwachsene werden. Doch drehen wir den Spiess einmal um: Wie sieht es denn aus, wenn es um die Bedürfnisse der Erwachsenen geht? Seltsamerweise gelten da auf einmal

Was wäre eine Welt ohne Kinder

  Wenn ich in trüben Gedanken versinke und mich alle die Meldungen über wachsende Coronainfektionszahlen und Todesfälle fast in den Boden drücken, dann höre ich auf einmal draussen auf der Strasse Kinder vorüber hüpfen, spielend, singend, lachend, scherzend, als wäre nichts gewesen. Keine Frage: Viele Menschen leiden unsäglich unter der Coronapandemie, sei es, dass sie von der Krankheit selber betroffen sind, sei es, dass sie von Angehörigen Abschied nehmen mussten, sei es, dass sie ihre Arbeitsstelle verloren haben, sei es, dass sie vor lauter Einsamkeit und Verzweiflung depressiv geworden sind. Aber eben, da sind noch die Kinder. Die Kinder mitten in der Coronapandemie, die ihr Lachen und das Strahlen in ihren Augen noch nicht verloren haben, ganz so, als wären das Schätze aus einer anderen Welt, die sie noch immer in sich tragen. Ja, Kinder können viel von Erwachsenen lernen. Aber mindestens so viel können die Erwachsenen von den Kindern lernen, ganz besonders jetzt, in der Coronaze

Lehrpläne und Lernpläne

  Jedes Kind trägt von Beginn seines Lebens an einen individuellen Lernplan in sich, aufgrund dessen sich sein Lernen auf wunderbare, geheimnisvolle Weise entfalten wird. Lehrpläne dagegen sind eine überflüssige Erfindung von Erwachsenen, die von Lernen nichts verstehen.

Was, wenn wir statt der Fehler das Richtige zählen würden?

  26 Fehler hatte mein schlechtester Schüler im Diktat und damit eine ungenügende Note. Doch dann dachte ich: Was, wenn ich statt der Lehrer das Richtige zählen würde? Oh Wunder - mein "schlechtester" Schüler hatte 97,1 Prozent aller Buchstaben fehlerfrei geschrieben. Fazit: Es gibt keine "guten" und "schlechten" Schülerinnen und Schüler, sondern nur verschieden gute mit klitzekleinen Unterschieden.