Direkt zum Hauptbereich

Posts

Die Schule vermittle keine Ideologie? Schön wäre es...

  "Die Schule vermittelt keine Ideologien, sondern das, was im Lehrplan steht", sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, im Interview mit dem "Tagblatt" vom 22. Juni 2021. In besagtem Interview geht es  um eine gendergerechte Schreibweise und welchen Formen in der Schule der Vorrang gegeben werden sollte. Doch nebst der Diskussion über eine gendergerechte Schreibweise erscheint mir die Aussage Röslers, wonach die Schule keine Ideologien vermittle, sondern nur das, was im Lehrplan stehe, doch überaus bemerkenswert. In Tat und Wahrheit vermittelt die Schule nämlich sehr wohl eine Ideologie, und zwar die Ideologie der kapitalistischen Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft, die den Kindern von klein auf eingetrichtert wird: indem man ihre Lernleistungen permanent benotet und bewertet und sie innerhalb der Schulklassen miteinander vergleicht, um so eine Rangordnung herzustellen vom "schlechtesten" Schüler, von der &
Letzte Posts

Die chinesischen Schulmethoden und was wir daraus lernen sollten

  Das "Tagblatt" vom 7. Juni 2021 berichtet über die zunehmende Digitalisierung und andere technische Mittel, mit denen die Leistung chinesischer Schülerinnen und Schüler gezielt gesteigert werden soll. So zum Beispiel im Sportunterricht: Eine Kamera, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, zählt beim Seilspringen der Kinder in Echtzeit jede Rotation des Sprungseils, Schummeln wird damit unmöglich gemacht. Oder beim Ausdauerlauf: Computerchips, eingenäht in die Shirts der Schülerinnen und Schüler, stellen sicher, dass niemand während dem Lauf die Spur wechselt. Zudem wird permanent die Fitness der Schülerinnen und Schüler digital erfasst und in entsprechende Ernährungspläne und Körperübungen umgerechnet, die dann zuhause zu absolvieren sind. Im Sprachunterricht werden in den Gruppendiskussionen die Antworten der Schülerinnen und Schüler gefilmt und es wird genau gemessen, wie konzentriert sie dabei sind. Ganz neu im Einsatz sind so genannte "smart desks", Lampen m

Das Gymnasium: ein pädagogisches Auslaufmodell...

  Wie die "Sonntagszeitung" vom 6. Juni 2021 berichtet, nimmt der Anteil der Knaben an den Gymnasien seit Jahren kontinuierlich ab. Die meisten Schülerinnen störe dies nicht, im Gegenteil: "Wir können offener reden, ohne Angst zu haben, ausgelacht zu werden. Wenn man schlecht drauf ist, muss man sich keine blöden Sprüche gefallen lassen", so eine der interviewten Schülerinnen. Eine andere aber spricht von einem "geschützten Rahmen", einem "safe space" und einem "Wohlfühlbiotop", in dem man sich von der Auseinandersetzung mit der realen Arbeitswelt fernhalten könne. Die Frage, ob reine Mädchenklassen an den Gymnasien sinnvoll seien, müsste eigentlich noch weitergehen bis zur Frage, ob denn Gymnasien überhaupt sinnvoll seien. Diese Frage möchte ich mit einem klaren Nein beantworten. Ich sehe das Gymnasium als pädagogisches Auslaufmodell. Es bildet tatsächlich, nicht nur für Mädchen, sondern auch für Knaben, eine Art "Wohlfühlbiotop&q

Vom Kinderhaus bis zur ausserschulischen Arbeitswelt: ein pädagogisches Modell für die Zukunft

  In früheren Artikeln auf diesem Blog habe ich ein neues pädagogisches Modell als Alternative zur traditionellen Volksschule vorgeschlagen, das so genannte "Lernzentrum". Da sich ein solches "Lernzentrum" aber vor allem aus finanziellen wie auch organisatorischen Gründen kaum realisieren liesse, hier nun ein neuer Vorschlag, der einen Weg aufzeigen könnte von der heutigen Selektionsschule, die aufgrund des Selektions- und Leistungsdrucks sowie der grossen Stofffülle von vielen Kindern, aber auch von zahlreichen Lehrkräften als grosse Belastung empfunden wird, hin zu einer Bildungsstätte, in der das Lernen Freude macht, Dinge gelernt werden, die man wirklich zum Leben braucht, und die Kinder bei ihrem Lernen nicht ständig miteinander verglichen werden, getreu einer der zentralsten Aussagen des berühmten Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi: "Vergleiche nie ein Kind mit dem andern, sondern stets nur jedes mit sich selber." Zunächst das Kinderhaus

Berufswelt erkunden und Begabungen entdecken: Ab zwölf Jahren nur noch halbtags zur Schule...

  Mit 14 Jahren, so berichtet die "NZZ am Sonntag" vom 30. Mai 2021, bewirbt sich Yael Meier spontan beim Schweizer Fernsehen und bekommt die Hauptrolle in einem Spielfilm. Nach der Matura, mit 17, startet sie eine Karriere als Schauspielerin und Journalistin. Und mit 18 gründet sie zusammen mit ihrem Freund Jo Dietrich eine eigene Agentur, welche Firmen darin berät, wie sie die junge Generation am besten erreichen können. Hat die Schule in Bezug auf die Karriere der beiden eine wichtige Rolle gespielt? "Nein", sagt Jo Dietrich, "was wir in der Schule lernen, genügt nicht, um uns auf das Leben vorzubereiten." In der Tat: Eigentlich müsste die Schule im besten Falle ein Ort sein, wo die Talente junger Menschen entdeckt und bestmöglich gefördert werden. Doch dies ist nur in einem sehr unterschiedlichen Masse der Fall: Wer das Glück hat, besonders sprach- oder mathematikbegabt zu sein, ist in der herkömmlichen Schule und den meisten weiterführenden Schulen ge

Der gnadenlose Wettkampf um Noten und Zukunftschancen oder Die grosse Lüge, die Schule sei zum Lernen da

  "Wenn ich eine gute Note habe, dann renne ich so schnell wie ich kann nach Hause. Wenn ich eine schlechte Note habe, dann suche ich jeden Umweg, um möglichst lange nicht nach Hause zu kommen" - so der zwölfjährige Imran im Film "Mein Leben und der Notenschnitt - vom Übertritt in die Oberstufe", ausgestrahlt am 6. Mai 2021 am Schweizer Fernsehen SRF1. Eindrücklich zeigt der Film die Ängste, die Enttäuschungen und die Hoffnungen von Schülerinnen und Schülern, die kurz vor dem Übertritt in die Oberstufe stehen und bei denen jede Prüfung und jede Zehntelsnote über ihren zukünftigen schulischen Weg und die damit verbundenen Berufschancen entscheiden. Ein ungeheurer Druck, dem die Kinder buchstäblich Tag und Nacht ausgesetzt sind, so mancher zerstörter Zukunftstraum, so manche Eltern, die von ihren Kindern enttäuscht sind, ihnen Vorwürfe machen und ihnen aus lauter Verzweiflung am Ende noch ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen verbieten in der Hoffnung, dass ihr Kind,

Lernzentren statt Schulen: ein pädagogisches Modell für die Zukunft

  Als Alternative zur konventionellen Lehrplan-, Selektions- und Jahrgangsklassenschule schlage ich ein offenes Lernsystem vor, das Lernzentrum. Dieses kann man sich am besten als einen Marktplatz gegenseitigen, altersunabhängigen Lernens vorstellen. Doch schön der Reihe nach. Bevor die Kinder ins Lernzentrum eintreten, besuchen sie das Kinderhaus. Dieses ist vergleichbar mit heutigen Kindergärten, aber mit dem Unterschied, dass die Kinder bis zum achten, ev. neunten Lebensjahr dort verweilen. Im Kinderhaus wird frei und spielerisch gelernt, so wie in den ersten Lebensjahren, selbstbestimmt, selbsttätig, im eigenen Tempo, in der eigenen Reihenfolge, gemäss dem jedem Kind eingeschriebenen inneren Lernplan. Nebst vielem anderem erlernen die Kinder im Kinderhaus mathematische Grundkenntnisse und das Lesen und Schreiben. Mit acht oder neun Jahren wechseln die Kinder ins Lernzentrum. Dieses bietet eine Vielzahl an Kursen , Projekten und Aktivitäten an, aus denen die Kinder frei auswähle