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Dass im Leben sowohl viel lustvoller wie auch viel effizienter gelernt wird als in der Schule, ist nichts Neues...

  "Wie gut Immersion, das Eintauchen in eine andere Sprachwelt, funktioniert", so der "Tagesanzeiger" am 24. November 2022, "machen die skandinavischen Länder und die Niederlande vor: Weil sich die Synchronisationen im Kino und am Fernsehen für die relativ kleinen Länder nicht lohnen, zeigen diese die Filme im englischen Original mit Untertiteln. Das ist der Grund, warum die Leute aus diesen Ländern fast akzentfrei Englisch sprechen: Sie haben auf unterhaltende Weise eine Sprache geschenkt bekommen." Dass im Leben sowohl viel lustvoller als auch viel effizienter gelernt wird als in der Schule, ist nichts Neues. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Schülerin D. Französisch war das Schulfach, das sie am meisten hasste, entsprechend schlecht waren ihre Leistungen und ihre Noten. Nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit fand sie keine Lehrstelle und entschied sich - trotz anfänglicher Bedenken aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen mit dem Schulfranzösi
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33. Internationaler Tag der Kinderrechte und was dieser, nähmen wir ihn ernst, für Auswirkungen auf die Schule haben müsste...

  "Immer wieder", so schreibt die "NZZ am Sonntag" anlässlich des 33. Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November 2022, "müssen kantonale Ombudsstellen Kindern und Jugendlichen zu ihrem Recht verhelfen. So etwa einem Mädchen, das von der Schule gewiesen werden sollte, ohne dass man mit ihm gesprochen hatte. Erst nach Intervention der Ombudsstelle und im Gespräch mit dem Kind wurde klar, dass es gemobbt worden war." Auch Irène Inderbitzin, Geschäftsleiterin einer privaten Ombudsstelle für Kinderrechte, stellt fest: "Noch immer werden in Schulen Entscheide über Kinder gefällt, ohne dass sie selber dazu angehört wurden." Nähmen wir das in der UNO-Kinderrechtskonvention verbriefte Recht der Kinder auf Anhörung bei allen Entscheiden, die sie betreffen, allerdings wirklich ernst, hätte dies überaus weitreichende Veränderungen zur Folge. Denn nicht nur der Schulausschluss eines Kindes, die Anwendung von körperlicher Gewalt oder ungerechtfertig

Begabtenförderung in einem neuen Zürcher Schulmodell: Und was ist mit allen anderen Begabungen und Talenten, die unentdeckt in den Kindern schlummern?

  Begabte Stadtzürcher Kinder sollen, wie der "Tagesanzeiger" am 3. November 2022 berichtet, eine bessere Förderung erhalten. Dazu hat die Stadt ein neues Programm entwickelt: Einerseits soll die Förderung begabter Kinder in den einzelnen Klassen vorangetrieben werden, anderseits wird jedes Schulhaus eine spezielle Klasse erhalten, die von "leistungsstarken" Kindern einen halben Tag pro Woche besucht wird. Zusätzlich entstehen 18 "Förderungszentren", in welchen Kinder mit "exzellenten Fähigkeiten" zusätzlich geschult werden. Zu dieser Kategorie gehören rund ein Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Zürich. Auch sollen für die Begabtenförderung in den Schulhäusern spezielle "Ressourcenzimmer" eingerichtet werden. Mentorinnen und Mentoren, welche talentierte Kinder teilweise betreuen, sollen neu einen Lohn erhalten. Das gesamte Programm kostet rund 12,5 Millionen pro Jahr. Selbst bürgerliche Politikerinnen und Politiker sind voll des

Vielleicht liegt ja der Grund für "schwierige" Schülerinnen und Schüler nicht so sehr bei ihnen selber, sondern in der Art und Weise, wie die Schule mit Kindern und Jugendlichen umgeht...

  In der "Sonntagszeitung" vom 30. Oktober 2022 berichtet der 45jährige Gymnasiallehrer Sandro Trunz von seinen Erfahrungen als Aushilfslehrer an einer Sekundarschule in Biel. Sein Fazit ist ernüchternd: "Das Frappierendste ist für mich diese grundsätzliche schülerische Lethargie und absolute Unfähigkeit, zu lernen oder einfach mal ruhig dazusitzen. Etwa ein Viertel der Schüler stört, vor allem die Jungs. Zu Beginn musste ich einen nach dem andern vor die Tür schicken. Als ich dann nach einigen Minuten mit ihnen reden ging, sassen diese Störenfriede weinend im Gang." Ich denke an meine sechs Enkelkinder im Alter zwischen einem und neun Jahren. Eines wissbegieriger als das andere, mit unglaublichen Lernfortschritten in kürzester Zeit, Seismografen, die jede Regung ihrer Umwelt, jeden Blick, jede Bewegung blitzschnell wahrnehmen und zu Bausteinen ihres Lernens machen, Betriebsamkeit von früh bis spät, kein Augenblick der Langeweile, Ausdauer, Disziplin und Durchhaltew

"Wir wissen, dass alle gesunden Kinder mit einem gleichen Gehirn und den gleichen Genen starten"...

  "Wir wissen heute", sagt der Neurowissenschaftler Joachim Bauer in dem am 26. Oktober 2022 auf 3sat ausgestrahlten Dokumentarfilm "Werden wir immer dümmer?", "dass alle gesunden Kinder mit einem gleichen Gehirn und den gleichen Genen starten. Die Frage also ist, wodurch entstehen Unterschiede? Und da hat sich sehr schön gezeigt, dass die Angebote, die aus der Umwelt kommen und die das Kind erreichen, ganz wesentlich darüber mitentscheiden, wie sich das kindliche Gehirn entwickelt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass anregungsreiche und liebevolle Umgebungen im Gehirn dazu führen, dass Gene aktiviert werden, die Nervenwachstumsfaktoren produzieren. Wenn man dagegen das Kind mit seinen Schwächen konfrontiert, führt das zu Entmutigungen und dazu, dass Kinder ihre Potenziale, die sie tatsächlich haben, nicht entwickeln können." Was für Schlussfolgerungen für das frühkindliche und das schulische Lernen lassen sich aus dieses Aussagen schliessen? Was das fr

Die Selektionsschule als Instrument zur Legitimation bestehender Machtverhältnisse...

  Noch immer ist im öffentlichen Bewusstsein die Vorstellung, es gäbe intelligente und weniger intelligente Menschen, weitgehend unumstritten. Diese Vorstellung werfen mir meine sechs Enkelkinder immer wieder ganz gründlich über den Haufen. Beobachte ich nämlich ihre Geschicklichkeit beim Spielen, ihre Phantasie beim Erfinden von Geschichten oder ihren fast von Tag zu Tag ins Unermessliche wachsenden Wortschatz, dann würde es mir nicht im Traum einfallen, die Behauptung aufzustellen, eines dieser Kinder sei intelligenter oder weniger intelligent als die anderen.  Erst die Schule macht diesen Unterschied. Und zwar dadurch, dass willkürlich einzelne wenige Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen zur "Hauptsache" erhoben werden und die Kinder dann, je nachdem, wie weit sie in diesen Lernbereichen schon fortgeschritten sind, in "gute" und "schlechte", "intelligente" und "weniger intelligente" Schülerinnen und Schüler aufgespalten werd

Je weniger man Lernprozesse steuert, umso grössere Chancen gibt man ihnen, sich zu entfalten...

  Kinder, so die Neuropsychologin Nora Raschle von der Universität Zürich in einem Artikel des "Tagesanzeigers" vom 13. September 2022, könnten neue Entwicklungsschritte immer erst dann machen, wenn ihr Gehirn dazu bereit sei. Auch Oskar Jenni vom Kinderhaus Zürich sagt, dass es für das Lernen "bestimmte Zeitfenster" brauche. Man könne Kindern nicht etwas beibringen, wenn sie für diesen Entwicklungsschritt noch nicht bereit seien. Diese Entwicklung sei bei jedem Kind sehr individuell und innerhalb einer Klasse höchst unterschiedlich. Ob das Lernen eines Kindes mit seinem jeweiligen "Zeitfenster" übereinstimme, erkenne man daran, dass es dem Kind wohl sei, es keine Verhaltensauffälligkeiten zeige und Lernfortschritte mache. Die bekannte Kinderärztin und Pädagogin Maria Montessori spricht in diesem Zusammenhang von einem "Scheinwerfer": Die Entwicklung des Kindes gleicht einem Scheinwerfer, der durch die Umgebung des Kindes wandert. Stets das, was