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Spaziergänge mit den dreieinhalbjährigen Zwillingen: Jedes Kind ist ein kleiner Kolumbus...

  Für gewöhnlich, wenn man mit den Kindern spazieren geht, nimmt man sie bei der Hand und sagt, wir gehen nun hierhin oder dorthin. Gestern, als ich bei den dreieinhalbjährigen Zwillingen Linn und Mika zu Besuch war, wollte ich einmal als kleines Experiment das Umgekehrte ausprobieren. Nach einer kurzen Spielzeit im Freien geht Mika zum Gartentörchen und öffnet es. Selbstbewusst betritt er das Strässchen, welches dem Grundstück entlang läuft, sein Schwesterchen folgt ihm. Und ich folge wiederum den beiden Kindern und bin höchst gespannt, wohin die Reise gehen wird. Das Strässchen entlang, die beiden Zwillinge nebeneinander tippelnd, quer hinüber zum Schulhaus, wo Mika mir zeigt, wo die Kübel stehen, in die Papa jeweils die Grünabfälle hineinwirft. Dann zur Schaukel auf der Schulhauswiese, wo die beiden mich bitten, sie hin- und herzuschaukeln. Auf einmal entdeckt Mika einen sich durch die Wiese schlängelnden Schlauch und möchte unbedingt wissen, wohin das Wasser geleitet wird. Immer sc
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Früher war es die Hautfarbe oder das blaue Blut, heute sind es Diplome und Doktorhüte

  "Geldsegen mit jedem Bildungsjahr" - so der Titel eines Artikels über den Zusammenhang zwischen Ausbildungsdauer und Lohnniveau im "Tagblatt" vom 3. Mai 2023. Doch die Rendite dank längerer Ausbildungsdauer sei nicht überall gleich gross. So liege der Lohnzuwachs pro Ausbildungsjahr bei einer Berufslehre deutlich tiefer als bei einem Studium an der Universität oder einer höheren Fachschule. Je höher der Abschluss, umso höher der Lohn: Beträgt der Medianlohn nach einem Abschluss an der Universität oder der ETH 10'175 Franken, so liegt er bei Absolventinnen und Absolventen einer abgeschlossenen Berufsausbildung bei 6'079 Franken, in einzelnen Berufen wie den Coiffeuren und den Kosmetikerinnen sogar nur bei 4200 Franken. Geldsegen mit jedem Bildungsjahr. Man wird den Verdacht nicht los, dass viele Jugendliche und jüngere Erwachsene eine höhere Ausbildung vor allem deshalb anstreben, um in den Genuss eines möglichst hohen Lohnes zu kommen. Schaut man sich im E

Schulische Prüfungen kritisch hinterfragen: Denn sie dienen nicht dem Lernen, sondern einzig und allein der Selektion...

"Die 14jährige L.", so berichtet der "Tagesanzeiger" vom 17. April 2023, "brachte immer hervorragende Noten nach Hause. Trotzdem wuchs ihre Nervosität vor Tests zu regelmässigen Panikattacken aus. Die Angst begann jeweils bereits etwa zwei Wochen vor der Prüfung und steigerte sich von Tag zu Tag, bis die Sekundarschülerin kaum mehr essen konnte, immer wieder weinte und vor Angst zitterte." Prüfungsangst ist weit verbreitet und raubt vielen Kindern den Schlaf und die Freude am Lernen. Sie hat oft zur Folge, dass selbst Schülerinnen und Schüler, die sich eifrig vorbereitet haben, in der Prüfung selber von einem Blackout betroffen sind und nur einen winzigen Teil jener Leistung abrufen können, zu der sie eigentlich fähig wären. Nicht selten wirken Prüfungsängste ein Leben lang nach. Ist man mit einer Prüfungssituation konfrontiert, stellen sich sogleich wieder die alten Blockierungen ein, man fühlt sich klein, hilflos und einer Situation ausgeliefert, über di

Neunjähriges Mädchen wegen schlechter Schulnoten verprügelt und geohrfeigt

  Wie das "Tagblatt" am 31. März 2023 berichtete, wurde im St. Galler Rheintal ein neunjähriges Mädchen von seinem Vater verprügelt, weil es wiederholt schlechte Noten nach Hause gebracht hatte. Der Vater packte das Mädchen am Kragen, stiess seinen Kopf gegen den des Mädchens und ohrfeigte es. Auch wurde ihm jegliche Mahlzeit verweigert. Erst als es Schwindelfälle erlitt, bekam es wieder etwas zu essen. Zweifellos ein extremer Einzelfall. Und doch bildet das herrschende schulische Notensystem für allzu viele Kinder wie auch für ihre Eltern eine ständige Belastung, ein Damoklesschwert, das beständig über ihren Köpfen schwebt. Braucht es Noten, um erfolgreich zu lernen? Nein, das Gegenteil ist der Fall. Das Notensystem beruht nämlich auf einem grundlegenden Irrtum, einer grundlegenden Selbsttäuschung: Alle Kinder werden dazu angehalten, möglichst viel und fleissig zu lernen. Doch am Ende erreichen nur die "Besten" in Form einer guten Note das Ziel, während alle andere

Die Schule als kolonialistisches Projekt, das selbst die immer kleiner gewordene Freizeit der Kinder und Jugendlichen gnadenlos auffrisst...

  Gemäss einer Umfrage an der Kantonsschule Zürich arbeite rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler unter der Woche täglich zwei Stunden und mehr zu Hause für die Schule, an den Wochenenden seien es vier Stunden, insgesamt also 14 Stunden pro Woche Schularbeit zu Hause. So berichtet die "NZZ am Sonntag" vom 12. März 2023. Da nicht nur der Stoffdruck, sondern auch die Erwartungen der Eltern, der Lehrkräfte und der Jugendlichen selber beständig zunähmen, so Andreas Niklaus, Rektor der Kantonsschule Zürich Nord, würden viele Jugendliche im Sportverein oder mit dem Musikunterricht aufhören, um in der Schule bestehen zu können. Trotzdem planten der Bund und die kantonalen Erziehungsdirektionen eine Erhöhung der Anzahl Maturanoten, was den Druck zweifellos weiter verschärfen werde. Als Folge zeige sich, so die Psychiaterin Dagmar Pauli, eine zunehmende Anzahl von Depressionen, Schulvermeidung und Essstörungen. "Wenn sie alles richtig machen wollen, was von ihnen verlangt w

Mobbing in der Schule: Ob nicht auch das Schulsystem selber ein Grund für Mobbing sein könnte?

  Wie die "Sonntagszeitung" vom 12. Februar 2023 berichtet, ist gemäss einer Auswertung im Rahmen der Pisastudie jedes zehnte Kind in der Schweiz im Laufe seiner Schulzeit ein Opfer von Mobbing, was einen europäischen Spitzenwert bedeutet. Und obwohl viele Schulen versuchen, das Problem mit Sozialarbeit oder präventiven Workshops zu bekämpfen, steigen die Zahlen weiter an. "Die Ursachen sind komplex", sagt Bettina Dénervaud, Leiterin der Fachstelle "Hilfe bei Mobbing". Gewalt sei überall, so Dénervaud, die Kinder kämen durch Medien, die nicht für sie bestimmt seien, früh mit Formen und Bildern von Gewalt in Kontakt, würden oft aber auch gewalttätiges Verhalten bei ihren eigenen Eltern erleben. Gewiss mögen schlechte Vorbilder in den Medien, im Elternhaus oder ganz generell in der Erwachsenenwelt Gründe für Mobbing sein. Doch es würde zu kurz greifen, wenn man in diesem Zusammenhang nicht auch die Schule selber kritisch unter die Lupe nähme. Bekanntlich ist

Höchste Zeit für die Abschaffung des Gymnasiums...

  Evelyne Jossi, so berichtet die "Sonntagszeitung" am 5. Februar 2023, erteilt online Vorbereitungskurse für die Gymiprüfung. Ihre Kundschaft sind wohlhabende Eltern von der Goldküste, darunter viele Akademiker und Expats, die bereit sind, Tausende Franken in die Gymivorbereitung zu investieren, weil ihr Kind um jeden Preis an die Kantonsschule kommen soll. Der Kurs dauert 21 Wochen, die Schülerinnen und Schüler pauken 2 bis 2,5 Stunden pro Woche. Die Vorbereitung für das Langzeitgymnasium kostet 2735 Franken, jene fürs Kurzgymi 3500 Franken. Sie nehme, so Jossi, nicht jedes Kind. Wenn die Note zu tief und zu viele Defizite da seien und die Lernhaltung nicht stimme, dann bringe es nichts. Jossi legt den Eltern nahe, dass es sich lohnen könnte, das eine oder andere Hobby des Kindes vorübergehend zu streichen, die Gymiprüfung sei eine harte Zeit. Und der Aufwand scheint sich zu lohnen: Während durchschnittlich 50 Prozent aller Prüflinge durchfallen, erreichen Jossis Schützling